Interview: Jennifer Bruckert

Die Rhein-Neckar Löwen sind ein Kooperationsverein von Anpfiff ins Leben e.V. Du bist als Koordinatorin für Schule, Beruf und Soziales von Anpfiff ins Leben dafür verantwortlich, dass sich die Jungs nicht nur auf den Sport konzentriert. Wie lange bist du schon bei den Junglöwen?

 

Jennifer Bruckert: Als D-Jugend-Trainerin bin ich schon seit sieben Jahren bei den Löwen. Und davor war ich hier selbst schon Spielerin, damals natürlich noch bei SG Kronau/Östringen. Seit Juni letzten Jahres bin ich aber beruflich in Kronau tätig. Anpfiff ins Leben und die Rhein-Neckar Löwen haben schon länger zusammengearbeitet, die Nachwuchshandballer haben zum Beispiel bei einzelnen Anpfiff-Camps mitgemacht. Mit meiner Einstellung wurde die Kooperation aber weiter ausgebaut, damit die Jugendspieler noch mehr von den Angeboten und der Erfahrung von Anpfiff ins Leben profitieren.

 

Wie sieht denn deine Arbeit bei den Junglöwen aus?

 

Ich betreue die A-, B- und C-Jugend vor allem im schulischen Bereich. Dafür organisiere ich Lernzeitangebote, so wie bei den anderen Anpfiff-Zentren auch. Die Spieler können direkt nach der Schule oder vor dem Training reinkommen und zusammen mit Pädagogen lernen und sich für Prüfungen vorbereiten. Mit den Bewohnern des Internats habe ich natürlich besonders engen Kontakt, für sie habe ich feste Lernzeiten eingeführt. Meine Aufgabe ist das Einstellen von engagierten Lehrern und der Austausch mit den Schulen. Weiterhin habe ich auch angefangen, ein Netzwerk aus Unternehmenspartnern aufzubauen, bei denen unsere Spieler Praktika machen und erste Berufserfahrungen sammeln können. Dazu organisiere ich Anpfiff-Camps, bei dem unsere Sportler soziale Fähigkeiten ausbauen oder andere Kinder und Jugendliche unsere Sportart kennenlernen können.

 

Nachwuchshandballer der Junglöwen spielen gemeinsam mit Nachwuchsfußballern des FC-Astoria Walldorf.
Nachwuchshandballer der Junglöwen spielen gemeinsam mit Nachwuchsfußballern des FC-Astoria Walldorf.

Wie muss man sich den Austausch mit deinen Mitarbeitern im sportlichen Bereich vorstellen?

 

Die sitzen direkt nebenan, deswegen habe ich einen engen Draht zu ihnen. Die Trainer der A- und B-Jugend sind im Hauptamt tätig, was auch mir natürlich sehr hilft. Ich spreche täglich mit ihnen über die Jungs. Von ihnen erfahre ich, wie es sportlich läuft und andersrum erfahren sie von mir, wie es schulisch um die Jungs steht. Auch Rolf Bechtold, dem Sportlichen Leiter der Junglöwen, und Daniel Mayer, dem Nachwuchskoordinator, sind die ganzheitliche Förderung der Junglöwen sehr wichtig.

 

Läuft die Zusammenarbeit mit den Schulen ähnlich wie bei den Nachwuchsleistungszentren des Fußballs, wo die Spieler von den Eliteschulen des Fußballs freigestellt werden?

 

So weit ist es im Handball noch nicht. Die Spieler haben sieben Trainingseinheiten, dazu die Spiele. Das heißt sie trainieren auch vormittags. Aber bereits um 6:30 oder 7 Uhr, damit sie rechtzeitig in die Schule können. Abends findet dann die zweite Einheit statt. Wenn dann noch irgendwo Zeit bleibt, müssen sie zum Athletiktraining. Deswegen ist es für die Handballer enorm wichtig, gut organisiert zu sein. Die meisten sind das auch – und die, die es nicht sind, die organisiere ich.

 

Beim Handball ist nicht nur der Sprung von der A-Jugend in den Herrenbereich wegen der physischen Anforderung größer, am Ende winkt auch nur selten das große Geld. Da ist ein starkes zweites Standbein besonders wichtig.

 

Genau. Dass die Jungs das wissen, ist für meine Arbeit extrem hilfreich. Die meisten sind realistisch, was ihre Chancen angeht, mit dem Handball ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die wissen, dass sie später einen Job brauchen. Deswegen denken sie schon als Jugendspieler an ihre berufliche Zukunft. Vielleicht mehr, als Fußballer es in dem Alter tun. Selbst wenn ein Spieler es in die erste Liga schafft, geht das oft nur über einen Umweg über die zweite oder dritte Liga. Daher müssen die Jungs, solange wir sie hier haben, so gut wie möglich auf ihre Zeit nach dem Schulabschluss vorbereiten.