„Wir werden in jedem Spiel der Underdog sein“

Vildana Halilovic hat einen rasanten Aufstieg hinter sich. Vom Drittligisten SC Korb wechselte sie vor der Saison zur HSG Bensheim/Auerbach und schaffte direkt den Aufstieg in die erste Bundesliga. Wir haben mit Vildana über die Meistersaison und die kommende Herausforderung gesprochen.

 

© Marc Fippel Fotografie / Gestaltung: menthamendia Agentur GmbH
© Marc Fippel Fotografie / Gestaltung: menthamendia Agentur GmbH

Du bist direkt im ersten Jahr bei den Flames in die Bundesliga aufgestiegen. Hast du darauf beim Wechsel schon spekuliert?

Ehrlich gesagt nicht. Ich habe nicht einmal daran gedacht. Ich bin ganz neu und die Jüngste in der Mannschaft, dass dann alles so schnell geht, habe ich nicht erwartet. Wir haben uns am Anfang vorgenommen, von Spiel zu Spiel zu denken.

 

Ihr seid also auch nicht insgeheim mit diesem Ziel in die Saison gestartet?

Nein, überhaupt nicht. Wir hatten vor der Saison viele Neuzugänge, die intergieren werden mussten. Wir wollten einfach nur Gas geben und dann gucken, wo wir stehen.

 

Wann ist euch bewusst geworden, dass ihr um den Aufstieg mitspielen könnt?

Wir haben direkt zu Saisonbeginn gut losgelegt und richtig viele Siege eingefahren. Da haben wir gemerkt: „Okay, wir können da oben mitspielen.“ Zum Jahreswechsel war es dann klar: es geht Richtung Spitze und wenn wir weiter Punkte sammeln, könnte es klappen.

 

Das klingt, als hättet ihr es euch selbst nicht ganz zugetraut...

Man hat schon ein Gefühl dafür. Aber sicher kann man sich im Sport nie sein. Tiefs sind ganz normal und das war uns immer klar. Also war der Aufstieg irgendwo im Hinterkopf, aber so richtig wahr haben konnten wir es erst, als es feststand. Dafür konnten wir am Ende umso besser feiern.

 

Wie geht ihr jetzt die Herausforderung in der Bundesliga an?

Ich denke, wir werden in jedem Spiel der Underdog sein. Es ist von vorne herein klar, dass der Klassenerhalt das einzige Ziel ist. Am liebsten natürlich so früh wie möglich. Wir werden jedenfalls immer hart kämpfen. Aber wir haben unsere Qualität noch mal gesteigert und sind auch in der Breite gut aufgestellt. Wir haben uns ganz gezielt auf den Positionen verstärkt, auf denen wir Abgänge verbuchen mussten. Dazu passen alle Neuen charakterlich super rein.

 

Vor einem Jahr warst du eine dieser Neuen. Wie groß war der Sprung zu den Flames.

Enorm! Vorher habe ich in Stuttgart gelebt. Von dort bin ich nach Heidelberg gezogen, wo ich ein Jura-Studium begonnen habe. Der Auszug war ein Riesenschritt. Jetzt muss ich den Alltag alleine meistern, vorher haben Papa und Mama mir noch unter die Arme gegriffen. Es sind zwar nur zwei Stunden, aber es ist ein Schritt weg von der Familie und ich bin in einer ganz anderen Situation. Sportlich war der Schritt auch riesig. Ich kam aus der dritten Liga. Die zweite Liga ist körperlich auf einem anderen Niveau. Ich habe oft gemerkt, dass ich erst 19 bin, die Älteren haben einfach viel mehr Erfahrung.

 

Wie gelingt dir der Spagat zwischen Leistungssport und Studium?

Es erfordert viel Disziplin und Zeitmanagement. Ich habe einen durchgetakteten Tag: Uni, Bib, Training und dann heim und schlafen. Für mehr Aktivitäten ist keine Zeit. Man muss es halt wollen und die Zeit bewusst nutzen, dann bekommt man alles hin. Aber ich muss auf Vieles verzichten, was die Gleichaltrigen machen. Ein Tag shoppen in Mannheim ist für mich eine Seltenheit. Man muss verzichten können. Aber ich weiß ja, wofür ich es mache.

 

Gehen wir ein paar Jahre zurück: Wie bist du zum Handball gekommen?

Das war in der Grundschule, in der zweiten Klasse oder so. Schulkameradinnen haben mit Handball angefangen und ich bin dann auch mal zum Training. Erst habe ich noch ganz viel nebenbei gemacht, Schwimmen und Leichtathletik zum Beispiel. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass Mannschaftssport mehr Spaß macht. Dann bin ich dabei geblieben.

 

Und wann hast du dein Talent erkannt und es professionell gefördert?

Schwer zu sagen. Gemerkt, dass ich Talent habe, habe ich am Ende meiner Jugendzeit, etwa auf Sichtungsturnieren für die Nationalmannschaft. Richtig professioneller Leistungssport wurde es dann erst mit dem Schritt vom SC Korb zu den Flames.

 

Sind also überregionale Jugend-Turniere wie der Metropolregion HandballCup wichtig, um sein eigenes Talent einschätzen und fördern zu können?

Ja, gut besetzte Turniere geben einem die Chance, sich mit Altersgenossen zu messen und zu schauen, wo man steht. Das bringt dem Team und jedem Einzelnen persönlich viel Erfahrung und kann einen Schub in der Entwicklung bedeuten. Außerdem sind solche Turniere natürlich ein Highlight. Sie bringen neue Impulse und machen ungeheuren Spaß.