Interview: Henrik Westerberg


Ein Talent muss nicht mehr weggehen

Foto: SG Kronau/Östringen
Foto: SG Kronau/Östringen

Die Dietmar Hopp Stiftung ist aus der Förderung des sportlichen Nachwuchses der Rhein-Neckar Region nicht mehr wegzudenken. Auch im Handball spielt sie eine große Rolle. Mit Sportreferent Henrik Westerberg haben wir über die Entwicklung in der Nachwuchsarbeit gesprochen.

 

 

Redaktion: Euer Mission-Statement hebt die Förderung des Jugendsports hervor. Warum ist euch das so wichtig?

 

Henrik Westerberg: Schon eine geringe Steigerung der sportlichen Aktivität stärkt den Jugendlichen. Nicht nur Ausdauer, Kraft und Koordination nehmen zu, auch in psychosozialer Hinsicht sind die positiven Auswirkungen deutlich. Denn bei Jugendlichen, die öfter Sport treiben, wächst zusammen mit der tatsächlichen Leistungsfähigkeit auch die selbst eingeschätzte Fitness. Das Selbstwertgefühl steigt, unabhängig vom Sozialstatus der Jugendlichen. Sie sind besser für die Zukunft „gewappnet“. Sportliche Vereinsaktivität in frühen Jahren scheint daher geeignet, das emotionale Wohlbefinden und die Kontaktfähigkeit von Jugendlichen zu steigern.

 

Die Verbindung von Dietmar Hopp zum Fußball ist allseits bekannt. Was viele vielleicht nicht wissen ist, dass die Dietmar Hopp Stiftung schon seit 2004 mit der SG Kronau/Östringen zusammenarbeitet. Warum habt ihr euch damals für den Handball als zweite Teamsportart entschieden?

 

Diese Region ist eine Handballhochburg voller Traditionsmannschaften. Aber damals gab es noch keine konsequente Nachwuchsförderung. Im Handball ist es nicht leicht, bei den Profis Fuß zu fassen, weil dazu ein körperlicher Reifungsprozess stattfinden muss. In der Bundesliga kann man erst erwachsen ankommen. Im Fußball können auch 18-Jährige schon mithalten, Handballer sind in dem Alter aber noch nicht so weit und brauchen häufig den zweiten Anlauf. Damals haben aber wenig Vereine den Spielern genug Zeit gelassen. Da wollten wir ansetzen. Wichtig war uns auch, dass sich die schulische oder berufliche Ausbildung besser mit dem Sport vereinbaren lässt.

 

Foto: SG Kronau/Östringen
Foto: SG Kronau/Östringen

2004 wurde die Nationalmannschaft Europameister und Olympia-Zweiter. Hat das für einen Schwung im Nachwuchs gesorgt?

 

Na klar. Die Kinder brauchen Helden und Vorbilder, an denen sie sich orientieren können und auf dessen Niveau sie kommen wollen. Dasselbe hat man im Tennis mit Boris Becker und Steffi Graf erlebt. Aber der Handball hatte in unserer Region ohnehin einen großen Stellenwert, das zeigen etwa Vereine wie die Rhein Neckar Löwen, Leutershausen oder Friesenheim.

 

 

Wie hat sich die Talentförderung in den zwölf Jahren seitdem entwickelt?

 

Der Erfolg macht sich auf jeden Fall bemerkbar. Die Nachwuchsförderung ist im Sport in aller Munde, weil die Vereine sehen, dass eine „Nachwuchsschmiede“ funktionieren kann. Die Investitionen lohnen sich. Über zwölf Jahre hat ein Prozess stattgefunden, der die sportliche Qualität stetig verbessert hat und weiter steigen lässt. Mit der finanziellen Unterstützung waren Vereine in der Lage, gut ausgebildete Trainer zu bezahlen, die ganz einfach mehr Zeit für die Spieler haben. Früher waren diese noch häufig ehrenamtlich tätig. Vereine wie „Anpfiff ins Leben“ machen es den Jugendlichen zudem leichter, Schule und Sport zu vereinen. Das sorgt für Ruhe, genauso wie die Internate, die kurze Wege und dadurch Zeitersparnis bedeuten.

 

Ist die Förderung also mit den Nachwuchsleistungszentren des Fußballs vergleichbar?

 

Nein. Im Fußball lassen sich mit gut ausgebildeten Talenten ganz andere Ablösesummen zur Refinanzierung erzielen. Deshalb herrschen dort ganz andere Strukturen. Der Handball ist beispielsweise enorm auf die kommunale Struktur angewiesen. Nur wenige Vereine haben eine eigene Halle, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde muss also funktionieren. Deshalb liegt auch ein großer Stellenwert auf den Bereichen Schule, Beruf, Soziales. Dennoch hat sich die Leistungsdichte in dieser Region enorm erhöht.

 

Das zeigt auch die erste deutsche Meisterschaft der Rhein-Neckar Löwen.

 

Absolut. Das ist die erste Handballmeisterschaft für diese Region und die Euphorie spürt man. Die Löwen sind eine volksnahe Mannschaft, die regionale Identität steht ja schon im Namen. Der Zugang zu den Spielern ist auch ein ganz anderer als im Fußball. Dazu kommt die Faszination des Hallensports. Das ist eine besondere Atmosphäre, der Zuschauer ist ganz nah dran und kann den Druck spüren, den „Stallgeruch“ riechen. Aber die Deutsche Meisterschaft ist nicht nur für die Handballfans der Region eine tolle Sache. Dass der Erfolg jetzt auch geographisch so nah ist, ist auch für die Jugendspieler ein Motivationsschub. Die sehen: Die Löwen können mit den Großen mithalten und in der Champions League spielen. Ein Talent muss also nicht weggehen, sondern kann in seiner Heimat bleiben, eine gute Ausbildung genießen und auf lange Sicht eine sportlich reizvolle Perspektive haben.

 

Wie lässt sich der Titel jetzt auch nachhaltig nutzen?

 

Die Meisterschaft muss jetzt befeuert und die mediale Begleitung mitgenommen werden. Wir müssen dranbleiben, dann können wir in den nächsten Jahren gute Erfolge erzielen. Vielleicht kann der Handball in dieser Region so noch jahrelang von diesem Erfolg zehren. Bei über 70 Bundesligisten in der Region muss ein Handballverein schließlich immer attraktiv bleiben. Dazu gehört eben auch das passende Rahmenprogramm. Da kommen Jugendturniere wie der Metropolregion HandballCup ins Spiel. Mit einer tollen Atmosphäre bindet man das Publikum an den Sport. Turniere sind dafür hervorragend, weil sie geballte, kompakte Action versprechen.